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Einkaufen in München: der Münchner Viktualienmarkt


Der Viktualienmarkt im 19. Jahrhundert
Viktualienmarkt im 19. Jahrhundert
Blumenstand auf dem Viktualienmarkt (Foto: Martin Schmitz)
Ein Paradies nicht nur für Blumenfreunde
Karl-Valentin-Brunnen auf dem Viktualienmarkt (Foto: Martin Schmitz)
Immer gut geschmückt: der Karl-Valentin-Brunnen
Volkstanz beim Brauertag auf dem Viktualienmarkt (Foto: Martin Schmitz)
Immer wieder Veranstaltungen auf dem Viktualienmarkt
Tanz der Marktfrauen am Faschingsdienstag (Foto: Martin Schmitz)
Tanz der Marktfrauen am Faschingsdienstag
Schäfflertanz zum Brauertag auf dem Viktualienmarkt (Foto: Martin Schmitz)
Schäfflertanz zum Brauertag
Brauertag auf dem Viktualienmarkt

Starbucks Coffee am Viktualienmarkt im Rosental (Foto: Martin Schmitz)

©Fotos: Martin Schmitz

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Nachdem der heutige Marienplatz, der bis dahin als Marktplatz diente, für den Handel mit Getreide und anderen Agrarerzeugnissen zu klein geworden war, ließ König Max I. Joseph mit einer Entschließung vom 2. Mai 1807 einen Teil des Markts verlegen: auf das Gelände zwischen Heilig-Geist-Kirche und Frauenstraße, wo zuvor der Friedhof von St. Peter und Gebäude des mittelalterlichen Heilig-Geist-Spitals lagen. So entstand der Münchner Viktualienmarkt.

Unter dem Namen Viktualienmarkt (gesprochen „Fiktualienmarkt“, nicht „Wiktualienmarkt“) ist er heute weit über Deutschland hinaus bekannt. Das Wort „Viktualien“ geht übrigens auf das spätlateinische „victualia“ zurück und bedeutet schlicht Lebensmittel.

Vom ursprünglichen Bauernmarkt hat sich der Viktualienmarkt längst zum beliebten Einkaufsplatz für Feinschmecker entwickelt. Umfang, Vielfalt und Qualität des Angebots geben diesem Markt sein ganz besonderes Gepräge. Seit 2014 steht die gelebte Markttradition des Viktualienmarkts im Bayerischen Landesverzeichnis des Immateriellen Kulturerbes.

Auf rund 18.600 Quadratmetern verkaufen mehr als 100 Händlerinnen und Händler Obst, Gemüse und Südfrüchte, Fleisch, Wild und Geflügel, Fisch, Käse und Milchprodukte, Brot und Backwaren, Gewürze, Honig, Tee und Wein, dazu Blumen und Pflanzen. Für den Hunger zwischendurch gibt es Kaffeestandl, Imbisse und Lokale mit Suppen, Brotzeiten und warmen Gerichten.

Die Stände öffnen von Montag bis Samstag, sonntags ist kein Marktbetrieb. Als Mindestverkaufszeiten gelten von April bis Oktober montags bis freitags 10 bis 18 Uhr, von November bis März 10 bis 17 Uhr und samstags ganzjährig 10 bis 15 Uhr. Jeder Händler legt seine Zeiten selbst fest, viele öffnen früher und bleiben länger. Da für die Händler eine Fünf-Tage-Woche gilt, kann ein einzelnes Standl auch an einem Werktag geschlossen sein.

Der zentralste Biergarten Münchens

Mitten zwischen den Standln liegt der Biergarten auf dem Viktualienmarkt. Weil er keiner Brauerei gehört, schenkt er nicht das Bier nur eines Hauses aus: Die sechs großen Münchner Brauereien kommen im Wechsel zum Zug, etwa alle fünf bis sechs Wochen ist eine andere an der Reihe. Welche gerade ausschenkt, steht an der Schänke. In einem bunt gemischten Publikum lassen sich so nach und nach alle Münchner Biere durchprobieren. Unter den im Sommer schattigen Kastanien darf man nach altem Biergartenbrauch die eigene Brotzeit mitbringen, nur die Getränke kauft man beim Wirt, und an den Marktständen ringsum gibt es ohnehin alle heimischen Schmankerl und noch mehr.

Sechs Brunnen für Münchner Originale

Münchner Bürger bereicherten den Platz mit Gedenkbrunnen für die Volkssänger und Komiker Karl Valentin (sprich »Falentin«), Weiß Ferdl und Liesl Karlstadt. Den Anstoß dazu gab Gustl Feldmeier vom Freundeskreis Münchner Volkssänger und Volksschauspieler. Später kamen noch die Brunnen für Ida Schumacher, Elise Aulinger und den Roider Jackl hinzu. Die Figur des Karl-Valentin-Brunnens von 1953 besteht übrigens teilweise aus der Bronze eines im Zweiten Weltkrieg beschädigten Löwen vom Siegestor.

Der Maibaum

Schon von weitem sichtbar und beliebter Treffpunkt ist der weiß-blaue Maibaum. Die erste Stange wurde am 4. Mai 1962 auf Anregung des damaligen Bürgermeisters Albert Bayerle aufgestellt, gestiftet von den Münchner Brauereien. Seitdem wird er in mehrjährigen Abständen erneuert. Der 14. Maibaum, aufgestellt am 1. Mai 2022, wurde am 6. September 2026 von der Feuerwehr abgebaut. Der Nachfolger soll am 9. Mai 2027 aufgestellt werden, zuständig ist wie bisher der Verein Münchner Brauereien.

Feste und Bräuche im Jahreslauf

Hier wird nicht nur gekauft und verkauft, auf dem Viktualienmarkt finden auch traditionelle und volksverbundene Veranstaltungen statt, auf einem Platz, der seit 1975 Fußgängerbereich ist und zum Bummeln einlädt.

Höhepunkt im Fasching ist der Tanz der Marktfrauen am Faschingsdienstag, wenn Händlerinnen des Marktes mit einstudierten Tänzen und Kostümen auftreten und Tausende den Platz bevölkern.

Alle zwei Jahre im Juni ziehen die Münchner Brauereien zum Münchner Brauertag mit Prachtgespannen und Blasmusik durch die Altstadt. Dabei werden die Jungbrauerinnen und Jungbrauer freigesprochen, und die Brauer erneuern öffentlich ihren Eid auf das Münchner Reinheitsgebot von 1487. Zuletzt fand der Brauertag am 20. Juni 2026 statt, der nächste ist für 2028 geplant.

Am ersten Dienstag im August feiern die Münchner Gärtnerinnen, Gärtner und Floristen den Gärtnerjahrtag, einen der ältesten Bräuche der Stadt. Der Festzug mit geschmückten Pferdegespannen, Traktoren und Blasmusik stellt sich am Viktualienmarkt auf und zieht zum Gottesdienst nach St. Peter, an die Zuschauer werden Blumen verteilt. 2027 ist es am Dienstag, 3. August, wieder so weit.

Traditionell am ersten Freitag im August werden beim Brunnenfest die Figurenbrunnen mit Blumen geschmückt, Volkssänger, Kabarettisten und Musikgruppen treten zwischen den Standln bei freiem Eintritt auf. 2026 war das am 7. August.

In der Advents- und Weihnachtszeit schließlich verwandelt der Winterzauber den Markt: Die Standl leuchten festlich, dazu kommen saisonale Speisen und Getränke.

Behutsame Sanierung

Die Bausubstanz vieler Standl stammt aus der Nachkriegszeit. Die Stadt plant deshalb eine behutsame Sanierung des Marktes, Standl für Standl und bei laufendem Marktbetrieb, einschließlich neuer Versorgungsleitungen und eines neuen Kellerbauwerks. Der Charme des Viktualienmarkts soll dabei erhalten bleiben.

Brotzeit ohne Wegwerfgeschirr

Der Viktualienmarkt ist ein Schlaraffenland für den müllarmen Einkauf. Das war nicht immer so. Ende der 80er Jahre hatte die Wegwerfgesellschaft Hochkonjunktur, Dosen, Plastiktüten, Wegwerfbecher und Pappteller ließen die Abfallkörbe überquellen. Mit einem neuen, ökologischen Abfallwirtschaftskonzept, einer Gewerbeabfallsatzung, die Mülltrennung vorschreibt, und intensiver Beratungsarbeit gelang es der Stadt, die Abfallflut einzudämmen.

Im Kampf gegen die Wegwerfkultur erließ die Stadt München 1991 ein Verbot für Einwegverpackungen auf städtischem Grund. Der Viktualienmarkt spielte dabei eine wichtige Vorreiterrolle: Die Marktleute schafften auf eigene Kosten Wasseranschlüsse und Geschirrspüler an. Seitdem sind Dosen, Wegwerfbecher, Pappteller und Plastikbesteck vom Markt verbannt. Säfte, Limonade und Bier gibt es im Glas, Leberkäs und Schweinswürstl kommen auf soliden Porzellantellern daher.

Obst und Gemüse wandern direkt in den mitgebrachten Einkaufskorb, Fleisch, Wurst, Käse und Fisch legen die Verkäufer gerne in mitgebrachte Behältnisse. Wer seine Einkaufstasche zu Hause vergessen hat, bekommt auf dem Viktualienmarkt die beliebte Markttasche aus Baumwolle.

Statt Fast Food echte Münchner Brotzeitkultur

Auch für die eiligen Esser gibt es Verpflegung ohne Verpackungsmüll: Die Leberkässemmel wird mit einer Serviette direkt auf die Hand serviert, ohne Alufolie oder Pappschachtel. Die Wurststandl verzichten auf Portionstütchen und zapfen den Senf aus großen Spendern. Neben dem Umweltaspekt hat das einen angenehmen Nebeneffekt: Der Senf landet wirklich auf der Semmel und nicht auf Hose oder Bluse.

Märkte und Wiesn folgten dem Beispiel

Allein im ersten Jahr der Umstellung von Einweg auf Mehrweg wurden auf dem Viktualienmarkt monatlich 80 Kubikmeter Müll eingespart. Das Konzept hat sich bestens bewährt, längst sind auch die anderen ständigen Münchner Lebensmittelmärkte (Elisabethmarkt, Wiener Markt, Pasinger Viktualienmarkt) und die städtischen Wochen-, Bauern- und Ökomärkte dem Beispiel gefolgt. Auch bei Stadtteilfesten, auf der Auer Dult und auf der Wiesn werden Pfandflaschen und Mehrweggeschirr verwendet.

Anfahrt

Vom S- und U-Bahnhof Marienplatz (alle S-Bahnen der Stammstrecke, U3 und U6, Ausgang „Viktualienmarkt/Tal“) sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Die Buslinien 52 und 62 halten normalerweise an der Haltestelle Viktualienmarkt, wegen einer Umleitung entfällt die Haltestelle derzeit voraussichtlich bis Januar 2027 in einer Fahrtrichtung.

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28.10.2026

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