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Gedächtnis: Oktoberfest Attentat 2000: 36 Jahre nach dem Bombenanschlag auf das Oktoberfest 1980

Denkmal am Wiesneingang für die Opfer des Oktoberfest-Attentats (Foto. MartiN Schmitz)
Denkmal am Wiesneingang für die Opfer des Oktoberfest-Attentats
Die Tageszeitungen dannach (Foto: Martin Schmitz)
Die Schlagzeilen der

so sah das Denkmal noch bis 2007 aus
Innenminister Hermann und OB Christian Ude gedenken der Toten am 30. Jahrestag 2010 (©Foto: MartiN Schmitz)
Innenminister Hermann und OB Christian Ude gedenken der Toten am 30. Jahrestag 2010
Feierliche Musik untermal die Gedenkstunde (Foto: MartiN Schmitz)
Feierliche Musik untermalt die Gedenkstunde
Gemeinsam gedenken mit den Wiesnbesuchern auch die Delegationen der Marktkaufleute, der Schausteller und der Wirte (Foto: Martin Schmitz9
Gemeinsam gedenken mit den Wiesnbesuchern auch die Delegationen der Marktkaufleute, der Schausteller und der Wirte
Kränze der Stadt und der DGB Jugend,die sichalljährlich um die Feierlichkeiten kümmert (Foto: Martin Schmitz)
Kränze der Stadt und der DGB Jugend, die sich alljährlich um die Feierlichkeiten kümmert

Heute trifft man sich am Denkmal, viele, ohne zu wissen, was hier einmal passierte

©alle Fotos: Martin Schmitz

Der Abend des 26. September 1980: gleich wird nichts mehr ausgeschenkt, es ist bald halb 11. Um dem größten Trubel zu entgehen, geht man schon etwas vor der Zeit. Auch ich war da als Teil einer Gruppe von Studenten aus der Neubiberger Hochschule der Bundeswehr (heute: Universität der Bundeswehr). Es war ein normaler Wiesnausflug bis dahin, mit Fahrgeschäften, gebrannten Mandeln, Hendl und Wiesnbier.

Ein Teil ging schon mal voraus zum Wiesnportal, andere von uns wollten zunächst aber noch einmal pieseln, zurück nach Neubiberg per Tram und S-Bahn gibt’s keine weitere Toilette. Haben wir etwas gehört? Im Nachhinein haben wir es uns eingebildet. Doch war es wirklich so laut hörbar über dem Geräuschlevel der Skooter und Wiesnzelte? Fröhlich ziehen wir dem Wiesnausgang entgegen.

Archiv: Fotogalerie Schausteller und Zelte Oktoberfest 1980, Teil 1, Teil 2 (@Fotos: Martin Schmitz)

An einem Mast lehnt ein Mann, den Kopf etwas herabhängend, sabbernd. Erbrochenes neben ihm am Boden, war da nicht auch etwas Blut dabei? Ungläubiges Stauen und Kopfschütteln, wie weit manche beim saufen doch gehen, schon sehen wir von hinten Sanitäter anfahren. Die werden sich besser drum kümmern. Weiter gedrängt in Richtung Ausgang.

Am Armbrustschützenzelt vorbei. Es staut sich. Blaulicht weiter vorne zum Ausgang hin, irgendwas scheint passiert, die Leute werden zur Seite gedrückt, umgeleitet an Zelten vorbei, weg vom Ausgang. Doch wir wollen zum Treffpunkt, hier wollten wir uns doch am Ausgang wiederfinden. Also drängen wir weiter geradeaus.

Helles Licht von Scheinwerfertürmen da vorne, was ist los? "Eine Bombe ist hochgegangen", raunt es jetzt immer wieder und von allen Seiten durch die Menge. Oh Gott, unsere Freunde. Wir drängen weiter, kommen an eine Absperrung. Die neue Freundin immer noch an der Hand, was ist hier geschehen.

Eine große freie Fläche, rechts ein roter Feuerwehr-Omnibus, gibt’s denn so was? "Tote hats gegeben", weiß die Menge, Verletzte: einige sieht man, sie werden im roten Bus der Feuerwehr behandelt. Wo kommt der nur so schnell her?

Ein Pferd liegt am Boden, zuckt, Blut quillt? Entsetzen. "Die kümmern sich doch zuerst um die Menschen". Eine Absperrung wird errichtet, wir packen mit an für einige Minuten. Was ist mit meine Freunden, der Gruppe?

Jemand taucht auf: den Axel hats erwischt, nur ganz leicht an der Schläfe, ganz wenig hat es geblutet, ohnmächtig ist er, die haben ihn schon abtransportiert. Gute Organisation.

Ein anderer aus der Gruppe ist schwerer verletzt, auch schon abtransportiert, fix ging das, perfekt organisiert: am nächsten Tag weiß man mehr, eine Wunde im Bein, die lange Monate nicht richtig heilen soll, einer hat Blut und Hirnteile an seine Lederjacke gekriegt, doch an diesem Abend sehen wir niemanden mehr.

Eine Splitterbombe, die Menge weiß schon mehr. Hat es nicht vor einigen Wochen in Bologna einen ähnlichen sinnlosen Anschlag gegeben, von irgendwelchen neo-faschistischen Gruppen? Das hier sieht ganz so nach einer Wiederholung aus, auf heimischen Boden. Hier, im friedlichsten aller München? Beim fröhlichsten aller Feste? Gänsehaut.

Das Entsetzen steigt. Andere raunen, das waren die Linken, Baader-Meinhof, Terroristen, ganz gewiss, das hätten sie eben im Kofferradio gehört. Strauß hätte das gesagt. Gerade in einem Interview im Radio. Die Sozis hätten doch gegen die ganze Terroristenbande zu wenig gemacht.

Wahlkampf 1980, F.J. Strauß will Kanzler werden. »Freiheit oder Sozialismus« lautete die zentrale Parole des Unions-Kandidaten. Um 01 Uhr eilt Strauß mit seiner Tochter Monika zum Tatort, am nächsten Morgen liest man in der "Bild", dass er dem linksliberalen FDP-Innenminister Gerhard Baum "schwere Schuld" vorwirft.

In den Zelten spielte die Musik sogar noch nach 23 Uhr weiter, auf Anordnung von Richard Süßmeier, seinerzeit Sprecher der Wiesnwirte, damit nicht noch mehr Menschen zum Haupteingang strömen. Viele Wiesnbesucher bekommen überhaupt nicht mit, das etwas passiert ist.

Wir verpassen die letzen Tram-Bahn (die U-Bahn gab es noch nicht), gehen die weite Strecke zu Fuß nach Hause, kommen spät Nachts an, können immer noch nicht begreifen, was da gerade abgelaufen ist. Reden noch lange. Bei der Freundin auf dem Sofa eingeschlafen, am nächsten Morgen schnell weiter zur Hochschule, was wissen die anderen?

Die traurige Nachricht hat schon die Runde gemacht, Axel Hirsch ist tot. Axel aus dem Nachbarhaus im Campus.

Einer der Gewindespäne aus dem Behälter um die Bombe, eine britischen Mörsergranate mit 1,39 Kilogramm Sprengstoff, hatte zwar nur eine winzige Wunde an seiner Schläfe verursacht, aber sich dann im Hirn selbst aufgespleist. Er verstarb schon kurz nach dem Attentat auf dem Transport, erfuhren wir. Hat wohl gar nichts mehr mitgekriegt. Unfassbares Entsetzen.

Axel, ein ruhiger Mensch, einziger Sohn. Sein Vater war erst einige Jahre zuvor bei einem Unfall ums Leben gekommen. Was für ein Schlag für seine Mutter das gewesen sein muss.

Inzwischen weiß man, der 21 jährige Geologie-Stundent Gundolf Köhler, Attentäter und überzeugte Rechtsextremist war Mitglied der rechtsextremen "Wehrsportgruppe Hoffmann". Er hatte den Sprengsatz "gebaut, ihn zum Tatort gebracht und dort gezündet", wie die Bundesanwaltschaft bei der Einstellung der Ermittlungen mitteilte.

Nach der Explosion um 22.19 Uhr liegen in einem Umkreis von 30 Metern zerfetzte Körper, abgetrennte Gliedmaßen und Leichen. 13 Menschen, darunter 5 Kinder und Jugendliche, kommen bei dem Attentat ums Leben, 210 weitere erleiden teils schwerste Verletzungen, die noch nach Jahren weiterer Operationen bedürfen.

Nach dem Anschlag wurde das größte Volksfest der Welt noch einen Tag fortgeführt, das Spiel FC Bayern gegen den HSV stand an, dann für einen Tag am Dienstag geschlossen, doch anschließend lief der Betrieb in Zelten und Fahrgeschäften wieder auf Hochtouren. Manch einer war damals schon der festen Überzeugung, Franz-Josef Strauß habe sich mit einer gravierende Fehleinschätzung der Lage und falschen Schuldzuweisung um einen 1980 knapp für möglich gehaltenen Wahlsieg geredet.

Zumindest an der Neubiberger Bundeswehrhochschule, wahrlich keine linke Wählerhochburg, stimmten kurz darauf bei der Bundestagswahl etliche Studenten nicht mehr für den Kandidaten, der das Attentat zu einem politischen Wahlkampf-Statement gegen die "laschen" Linken nutzen wollte und dann doch so gründlich daneben lag.

36 Jahre später erinnert am Wiesneingang ein Mahnmal an das Inferno: frische Blumen an der Gedenktafel zeugen davon, dass das schreckliche Geschehen trotz allen Trubels noch längst nicht vergessen ist, auch wenn viele das Mahnmal schon wieder nur als Treffpunkt für einen schönen Wiesnabend nutzen. Die Namen der Opfer sind auf einer Bronzestehle eingraviert.

Alljährlich am 26.09. legt die Stadt München einen Kranz für die Opfer an dem Denkmal nieder.

Widmen Sie den Opfern eine ruhige Minute. Danke.

©Martin Schmitz, Herausgeber ganz-muenchen.de


Bewusst oder unbewusst wurden alle Spuren und Zeugenaussagen, die der Einzeltätertheorie widersprechen, nicht richtig gewürdigt oder beiseite geschoben. Die offizielle Version ist ein politisch erwünschtes Ermittlungsergebnis, damit keine Zusammenarbeit zwischen Köhler und anderen rechtsradikalen Personen und Strukturen nachgewiesen wird.“
– Werner Dietrich, der als Rechtsanwalt mehrerer Attentatsopfer für eine Wiederaufnahme der Ermittlungen eintrat.


36 Jahre danach ist diese Terrortat nicht vollständig aufgeklärt, an der These eines verwirrten jugendlichen rechten Einzeltäters gibt es mehr Zweifel denn je.

Tobias von Heymann beschreibt die Hintergründe sehr ausfühlich in seinem Buch "Die Oktoberfest-Bombe. München, 26. September 1980". Im Buch werden die Hintergründe der Oktoberfestmorde auf Grundlage bereits veröffentlichter Tatbestände, der betreffenden, bisher aber nicht analysierten "Stasi-Akten", sowie eigener Recherchen des Autors aufgearbeitet.

In der Birthler-Behörde hat man in den letzten Jahren 6-8.000 Blatt Akten des DDR Staatssicherheitsdienstes aufgefunden, der bis ins Detail über die Ermittlungen informiert war: alleine 500 Aktenseiten beschreiben die Beweisstücke.

Doch diese, welche man mit den heutigen Methoden wie DNS Abgleich etc. wie in anderen spektakulären Fällen noch einmal aufschlussreich hätte untersuchen können, wurden nicht aufgehoben: die Bundesanwaltschaft ließ sie 1997 vernichten, weil man den Fall für durchermittelt hielt.

Bekannt wurde dies erst im Mai 2009, als von der Partei Bündnis 90/Die Grpünen eine Anfrage an den Bundestag gestellt wurde, in der u.a. auch nach dem Verbleib der Beweisstücke gefragt wurde.


Noch ein Beitrag zum Thema Wiesn-Attentat 1980, den Sie lesen sollten (externer Link)

Archiv: Fotogalerie Schausteller und Zelte Oktoberfest 1980, Teil 1, Teil 2 (@Fotos: Martin Schmitz)

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Oktoberfest: Gedenkfeier der Opfer des Wiesn – Attentats am 26. September 2010 (mehr)
Fotogalerie Oktoberfest-Attentats Gedenkfeier 26.09.2010, Teil 1, 2, (©Fotos: Martin Schmitz)
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