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Der „Faktor Mensch“ in der Zeitenwende: Wie Boris Pistorius in München die Bundeswehr von morgen baut

Es ist ein symbolträchtiger Ort für die Zukunft der deutschen Verteidigungsfähigkeit: Die Dachauer Straße 128 in München. Wo früher die Bürokratie der Wehrpflicht verwaltet wurde, weht heute ein neuer Geist. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius besuchte am Montag 2.2.2026 das Karrierecenter München, um den Startschuss für eine der größten Strukturreformen der letzten Jahrzehnte zu begutachten: Den „Neuen Wehrdienst“.

Als der Minister gegen Mittag vor die Presse tritt, zeigt er sich sichtlich zufrieden. „Passend zu meinem Besuch scheint die Sonne“, scherzt Pistorius, doch das Thema ist ernst. Die Bundeswehr muss wachsen, und das in einem Umfeld, das schwieriger kaum sein könnte. In Bayern herrscht faktisch Vollbeschäftigung, die Industrie lockt mit hohen Gehältern. Dass die Bundeswehr hier dennoch punkten kann, führt der Minister auf ein neues Selbstverständnis zurück.


Besuch Boris Pistorius im Karrierecenter München am 02.02.2026

Besuch Boris Pistorius im Karrierecenter München am 02.02.2026  (©Foto: Martin Schmitz)
Besuch Boris Pistorius im Karrierecenter München am 02.02.2026 (©Foto: Martin Schmitz)

Weg von der „Behörden-Kälte“, hin zur Dienstleistung

Unter der Leitung von Oberst Sven Callsen hat sich das Karrierecenter München zu einem modernen Dienstleistungszentrum gewandelt. Mit seinen 13 regionalen Karriereberatungsbüros ist es die zentrale Anlaufstelle für den gesamten Freistaat. Doch es geht nicht mehr nur um Beratung, sondern um Geschwindigkeit.

Wichtig war Pistorius die Abgrenzung zu alten Zeiten. In Erinnerung an seine eigene Musterung beschrieb er das damalige Klima als einseitig: „Das war der Wehrpflichtige, der musste, und jemand, der sagte: ‚Du musst jetzt, und so behandle ich dich auch.‘“

Heute begegne man den jungen Männern und Frauen als Partnern, die man für sich gewinnen wolle.

Besuch Boris Pistorius im Karrierecenter München am 02.02.2026  (©Foto: Martin Schmitz)
Besuch Boris Pistorius im Karrierecenter München am 02.02.2026 (©Foto: Martin Schmitz)

Pistorius erzählt von einer Begegnung während seines Rundgangs: Ein junger Bewerber berichtete ihm, dass er vor zwei Jahren fast ein halbes Jahr auf eine erste Reaktion der Bundeswehr gewartet habe. „Dieses Mal habe das wenige Tage gedauert und er steht jetzt schon hier“, betont der Minister. Für Pistorius ist das der entscheidende Hebel: Wer sich heute für den Dienst entscheidet, darf nicht durch monatelange Wartezeiten demotiviert werden. Das Ziel ist eine „Reaktion in Echtzeit“.


Besuch Boris Pistorius im Karrierecenter München am 02.02.2026, Teil 2

Der neue Wehrdienst: Digital und zielgerichtet

Seit dem 1. Januar 2026 ist das neue Wehrdienst-Modernisierungsgesetz in Kraft. In München werden bereits die ersten Rückläufer der digitalen Fragebögen ausgewertet, die im Januar an den Geburtsjahrgang 2008 versandt wurden. Während die Beantwortung für Frauen freiwillig bleibt – eine verfassungsrechtliche Notwendigkeit, wie Pistorius später auf Journalistenfragen erläutert – ist sie für Männer verpflichtend.

Der Minister traf im Center auf einen jungen Mann, der am 1. Januar 2026 seinen 18. Geburtstag feierte und den Fragebogen innerhalb der ersten Woche zurückschickte. Er möchte sich für 12 Monate verpflichten. „Genauso stellen wir uns das im Idealfall vor“, so Pistorius. Es geht darum, jene zu finden, die „großes oder mittelgroßes Interesse“ bekunden, und sie sofort in das System der Beratung und Musterung zu überführen.

Ein Paradigmenwechsel: „Augenhöhe“ als Befehl

Ein Begriff fiel an diesem Vormittag immer wieder: Augenhöhe. Pistorius zog einen scharfen Kontrast zu seiner eigenen Wehrdienstzeit in den alten Kreiswehrersatzämtern. Damals sei man als Wehrpflichtiger oft wie eine Nummer behandelt worden, die „musste“. Heute sei die Haltung eine völlig andere: „Wir behandeln sie wie junge Männer und Frauen, die wir für uns gewinnen wollen. Wir schätzen ihr Interesse.“

Dieser neue Umgang zeigt sich auch in der Flexibilität der angebotenen Modelle. Der Minister sprach mit Kandidaten, die lediglich ein sechsmonatiges „Gap Year“ zwischen Bachelor und Master planen, aber auch mit solchen, die aus festen zivilen Berufen kommen und nun für zwei Jahre als Mannschaftsgrad oder Feldwebelanwärter zur Truppe stoßen. Die Bundeswehr passt sich den Lebensläufen an, nicht umgekehrt.

Besuch Bundesverteidigungminister Boris Pistorius mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (re.)  im Karrierecenter München am 02.02.2026 (©Foto: Martin Schmitz)
Besuch Bundesverteidigungminister Boris Pistorius mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (re.) im Karrierecenter München am 02.02.2026 (©Foto: Martin Schmitz)

Die logistische Mammutaufgabe

Hinter den Kulissen bedeutet der Neue Wehrdienst einen enormen Kraftakt. In München werden derzeit zusätzliche Mitarbeiter qualifiziert, um die kommenden Musterungswellen abzuwickeln. Bis zum Sommer 2027 will Pistorius bundesweit 24 spezialisierte Musterungszentren etablieren, um jährlich bis zu 300.000 junge Menschen medizinisch und psychologisch zu prüfen.

Selbst die kritischen Fragen der Journalisten zum Thema der medizinischen Untersuchungen bügelte der Minister mit einer Mischung aus Humor und Sachlichkeit ab.

Auf die Nachfrage zum sogenannten „Hoden-Griff“ riet er zur Gelassenheit. Es gehe um eine gründliche allgemeine Wehrdienstfähigkeit in den Stufen 1 bis 3. Wer später Spezialverwendungen wie Kampfjetpilot oder Fallschirmjäger anstrebt, müsse ohnehin gesonderte Tests durchlaufen. In München gehe es erst einmal um den „Einstieg in die Bundeswehr-Familie“.

Fazit: München als Blaupause

Der Besuch von Boris Pistorius in der Dachauer Straße war mehr als ein bloßer Fototermin. Er war das Signal, dass die Bundeswehr verstanden hat, dass sie im 21. Jahrhundert als attraktiver Arbeitgeber auftreten muss. Mit einer Kombination aus digitaler Effizienz, regionaler Präsenz durch die 13 bayerischen Büros und einer neuen Kultur der Wertschätzung soll die Trendwende gelingen. Wenn das „Münchner Modell“ Schule macht, könnte die Personallücke der Bundeswehr tatsächlich bald der Vergangenheit angehören.


Zusammenfassung der Kernzitate des Ministers:

  • „Wir begegnen den Rekrutinnen und Rekruten auf Augenhöhe. Wir behandeln sie nicht wie jemanden, der zu irgendetwas überredet oder gezwungen werden muss.“
  • „Bayern ist für uns ein Schlüssel-Standort – wegen der Größe und der hohen Identifikation der Menschen mit ihren Streitkräften.“
  • „Niemand soll monatelang auf eine Antwort warten müssen. Der erste Eindruck ist entscheidend.“

(Zitate zusammengestellt mit Auswertungshilfe durch Gemini AI)

Karrierecenter der Bundeswehr München in der Dachauer Str 128 (©Foto: Martin Schmitz)
Karrierecenter der Bundeswehr München in der Dachauer Str 128 (©Foto: Martin Schmitz)
Karrierecenter München in der Dachauer Str 128 (©Foto: Martin Schmitz)
Karrierecenter München in der Dachauer Str 128 (©Foto: Martin Schmitz)

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