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Ricochet #2. Samantha Dietmar. Bilderzyklus ÜBER VIELES. UND NICHTS.
Ausstellung im
Museum Villa Stuck vom 22.04.-27.06.2010


In der Villa Stuck ist vom 22.04.-27.06.2010 der Bilderzyklus „ ÜBER VIELES. UND NICHTS“ zu sehen

Samantha Dietmar (geb. 1978, lebt in Berlin, www.lalu-creation.com) erstellt mit ihrer Kamera ein visuelles Tagebuch, das aus Fragmenten besteht, aus nachdenklichen Beobachtungen über Sinn und Magie des Alltags.

Ihr fotografische Zyklus entstand im Alltag und auf Reisen und offenbart eine sehr persönliche Bilderwelt.

Erst der individuelle Blick der Fotografin fügt die Vielfalt von Genres und Motiven zusammen: In der Zusammenstellung der Arbeiten in Farbe und Schwarz-Weiß verdichten sich kleine Szenen und Ereignisse durch Bezüge und Widersprüche zu einem poetischen wie irritierenden Gesamtzusammenhang.

Aus Einzelbildern entstehen so Geschichten, die gleichsam ein- und mehrdeutig sind. Das Museum Villa Stuck zeigt über 60 Fotografien der Künstlerin im Untergeschoss.

»Über Vieles. Und Nichts.« von Samantha Dietmar ist der zweite Teil der Reihe »Ricochet«, in der junge Künstlerinnen und Künstler Diskurse der Gegenwart durch ästhetische Transformation einer Neubetrachtung öffnen. (Der erste Künstler dieser Reihe war Chris Koch mit 343 m/s.)

»Ein Aufenthalt in New York zeigte mir die Schnelligkeit, Skurrilität, Widersprüchlichkeit und Grenzenlosigkeit des Lebens. Eine Fotoreportage in Mexiko lehrte mich über die Relativität des Glücks, von Zusammenhalt, Ungerechtigkeit und Hoffnung. All diese Erfahrungen haben soviel in mir bewegt. Erweckt. Losgetreten. Soviel in mir losgedacht.«

Samantha Dietmars Aufenthalt in Mexiko 2006 beeinflußte ihr Denken nachhaltig. Die eindringlichen Bilder reflektieren den Aufenthalt in zapatistischen Gemeinden und die Zerrissenheit der Fotografin angesichts von Armut, Gewalt und Solidarität.

Das ursprüngliche Projekt ihrer Abschlussarbeit wurde von der mexikanischen Polizei abrupt beendet: Samantha Dietmar wurde San Salvador Atenco, nahe bei Mexiko-Stadt, Anfang Mais 2006 verhaftet, von der Polizei gedemütigt, beschimpft und geschlagen, und schließlich des Landes verwiesen.

Soziales Engagement ist Teil von Samantha Dietmars Fotografie. Getreu einer Devise der legendären Agentur Magnum, bei der sie ihre Lehrzeit verbrachte, liegt ihr Interesse an der »Wahrheit unserer Welt«.

Ihre Zeit bei Magnum in Paris und New York sieht die Künstlerin als große Ermutigung, Sackgassen als Herausforderung zu betrachten, Projekte tatsächlich anzugehen. Seit ihrer Gründung verband die Fotoagentur hochwertige Qualität mit individuellem Stil der Mitglieder und einem hohen Ethos, das der humanen Funktion der Fotografie gilt.

Der gescheiterte Anlauf zur Diplomarbeit war auch ein Anfang, er verstärkte ihre, so die Künstlerin, »konfrontative Suche nach mir selbst«. Ihr Werk ist »work in progress«, ein »gedanklicher und emotionaler Reifungsprozess«.

Die Grenzen zwischen Kunst und Journalismus, zwischen Poesie, Ironie und Gesellschaftskritik sind in Samantha Dietmars heterogener Bilderwelt aufgehoben. Nichts ist gleich gewichtet in diesem Tagebuch: es offenbart den Prozess ihrer Suche, ihren Streifzug durchs Leben.

Nicht die dokumentarische Übermittlung der Realität steht im Vordergrund, es geht der Künstlerin um das poetische Moment der Fotografie, das dem Objekt selbst entstammt.

Keines der Bilder ist inszeniert oder gestellt, auch nicht jene, in denen etwa Schrift-Bildbezüge eine starke Ironie greifbar machen. Samantha Dietmar konfrontiert vorgefundene affirmative Statements – Graffitis, Werbeslogans, Parolen, Gebotsschilder – »Ideenfragmente aus den Köpfen anderer«, wie sie es nennt, mit ihrer eigenen Gedankenwelt und kreiert dadurch neue Bedeutungsebenen jenseits der offensichtlichen. Immer gibt sie dabei dem »künstlerisch-subjektiven« Faktor Vorrang vor dem »objektiv-analytischen«: »Jedes Bild ist ein kleiner Tagebucheintrag mit einer eigenen Geschichte.«

Trotzdem dienen ihre Fragmente dem Dialog. Samantha Dietmar verdichtet die einzelnen Abbilder beliebig wirkender Arrangements des Alltags durch ihre Platzierung im Gesamtkontext. Aber auch dieser unterliegt dem Moment sowie dem Standpunkt des Betrachters.

Ihre eigenen Geschichten, die in ihrer Installation die Bilder untereinander verbinden, bilden Anknüpfungspunkte für die Interpretationen Anderer. Ihre Bilder sind Impuls und Anstoß, mehr nicht. Sie selbst nennt das »Brückenbauen zwischen den verschiedenen Bilderwelten«.

Einige Aufnahmen Samantha Dietmars stehen in der Tradition der Street Photography, deren Tradition bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Die Fotografen fanden ihre Motive, dort, wo etwas los war: auf der Straße.

Die Bildsprache der Street Photography ist, ähnlich der Samantha Dietmars, persönlich und informell. Aber auch Bezugspunkte zur Subjektiven Fotografie lassen sich finden. Die Subjektive Fotografie der fünfziger Jahre, die sich in der Tradition der Neuen Sachlichkeit sah, formulierte den Primat der persönlichen Wahrnehmung in der Fotografie, mit dem Ziel der Befreiung von vordergründiger oder oberflächlicher Bedeutung.

In Anknüpfung an diese Traditionen entwickelt Samantha Dietmar einen persönlichen Stil, der Erkundung und Werden der eigenen Subjektivität zum Zentrum des Schaffens macht.

Die Subjektivität im Prozess der Künstlerin ist nicht zu trennen von Werken und Objekten, die sie umgeben – sie bedingen sich gegenseitig. Samantha Dietmars Subjektivität bewegt sich in Vielem, sie bewegt sich im Nichts. Sie wartet, »welche Wunder einem begegnen«.

Nähere Informationen sind unter www.villastuck.de ersichtlich.

Samantha Dietmar

Ausstellungen
2009 ÜBER VIELES. UND NICHTS., ORi Bar/Galerie/Projektraum (Berlin) (Einzelausstellung). ÜBER VIELES. UND NICHTS., Haus der Wirtschaft Baden-Württemberg (Stuttgart)
2008 Auszeichnung mit dem 20. BFF-Förderpreis 2008 für ihre Foto-Abschlussarbeit ÜBER VIELES. UND NICHTS., Preisverlei hung und Eröffnung visual gallery at photokina (Köln). ÜBER VIELES. UND NICHTS., Gruner + Jahr Pressehaus (Hamburg); FOTOGRAFISCH, Hugendubel (Würzburg)
2005 Fotoausstellung ARCHITEKTUR, Messe (Frankfurt/Main)
2004 Kunstausstellung espace 14 (Paris); academie meets photokina (Köln)

Studium & fotografische Entwicklung
2008 freie Künstlerin
2006 Fotoreportage Mexiko
2005–2006 MAGNUM PHOTOS, Paris und New York
2002–2008 Studium Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt
2002 Werbeagentur Heller & Partner, München

Die Öffnungszeiten des Museums Villa Stuck, Prinzregentenstraße 60: Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Nähere Informationen zu Programm und Ausstellung: Telefon 089 - 45 55 51 12 oder www.villastuck.de

Überblick: Ausstellungen in der Villa Stuck (mehr)

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Von der privaten Künstlerresidenz zur öffentlichen Kulturstätte (mehr)
Oktober 1998 – September 2000 Der erste Bauabschnitt – Ateliertrakt & Eingangshalle / Okto. 2001-März 2005 Der zweite Bauabschnitt – die historische Villa (mehr)

18.-20.03.2005
Mitte März 2005 wurde das Jahrhundertprojekt der Instandsetzung und Erweiterung des einmaligen Münchner Gesamtkunstwerks Villa Stuck abgeschlossen! Die Eröffnungsfeier erstreckt sich über drei Tage: Am 18., 19. und 20. März 2005 bietet sich dem Publikum die Möglichkeit, die Historischen Räume Franz von Stucks im Erdgeschoss der Villa Stuck sowie das ehemalige Maleratelier im ersten Obergeschoss zu besichtigen (mehr)

Zur Rubrik Art+Culture

Übrigens: nachher können Sie gleich ums Eck das neue "Rechts der Isar" ausprobieren, das erst Mitte Dezember 2002 eröffnet hat. Mehr zu dem neuen Lokal finden Sie hier bei ganz-muenchen.de.


Museum Villa Stuck
Prinzregentenstr. 60
81675 München
Tel.: 089 45 55 51 25
Fax: 089 45 55 51 24
email: villastuck@muenchen.de
Öffnung: Di.-So. 11-18 Uhr
U Bahn, Bus, TramMVV/MVG:
Museumsbus 53 + Tram 18: Friedensengel, U-Bahn: Prinzregentenplatz oder Max-Weber-Platz

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