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33. Jüdische Kulturtage 2019 in München im Gasteig vom 16.-24. November mit Fritz Wepper, Sunnyi Melles und zahlreichen weiteren Höhepunkten

31. Jüdische Kulturtage im Gasteig Kulturzentrum vom 18. bis 26. November

Sunnyi Melles, Judith Epstein, 33. Juedische Kulturtage - A Tribute to Leonhard Bernstein, Gasteig, Muenchen, 17. November 2018, Foto: People Picture/Willi Schneider
Sunnyi Melles, Judith Epstein,

©Foto: People Picture/Willi Schneider

„Die Sprache der Kultur verbindet“

Im Interview spricht Judith Epstein, die Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition, über die Bedeutung der Veranstaltungsreihe, die diesjährigen Programm-Highlights und die Wichtigkeit nach den schrecklichen Geschehnissen in Halle


In München dreht sich Mitte November wieder alles um die jüdische Kultur: vom 16. bis zum 24. November 2019 finden im Gasteig Kulturzentrum unter der Schirmherrschaft von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter die 33. „Jüdischen Kulturtage“ statt, die einen Einblick in die jüdische Kultur und Tradition geben.

Zu den diesjährigen Mitwirkenden der etablierten Veranstaltungsreihe zählt in diesem Jahr auch Schauspieler Fritz Wepper.

Er wird die Jüdischen Kulturtage gemeinsam mit Schauspielerin Sunnyi Melles, die als Vorstandsmitglied für die Leitung des Programms verantwortlich ist, mit einer humoristischen Lesung unter dem Motto „Jidddisch. Das Abenteuer einer Sprache“ eröffnen und Gastbeiträge und Interpretationen von Isaac Bashevis Singer und Friedrich Torberg darbieten, gepaart mit einem einzigartigen Klezmer Konzert mit jüdischen Melodien, gespielt von der weltweit renommierten Schweizer Klezmer Band Kolsimcha – The World Quintet“.

Oberbürgermeister Dieter Reiter und Georg Eisenreich, der Bayerische Staatsminister der Justiz, werden persönliche Grußworte sprechen.

Sunnyi Melles begibt sich dann am 21. November mit den Besuchern anlässlich des 125. Jubiläums von Joseph Roth auf eine dokumentarische Lesereise - um nur einige Highlights zu nennen (detailliertes Programm unter https://www.gasteig.de/service/suche/jüdische+kulturtage).

Judith Epstein ist Vorsitzende der Gesellschaft zur Förderung jüdischer Kultur und Tradition. e.V., die die jüdischen Kulturtage veranstalten.

Im Interview erklärt sie den Sinn und Zweck der Veranstaltung, spricht über die diesjährigen Programm-Highlights und erklärt, welche Bedeutung die Kulturtage insbesondere nach den schrecklichen Geschehnissen in Halle haben.

Was ist das Besondere an den Jüdischen Kulturtagen?

Judith Epstein: „Die Jüdischen Kulturtage sind ein fester Bestandteil des Münchner Kulturlebens geworden. Seit 1987 sind sie eine feste Institution im Münchner Kulturherbst und bringen die Vielfalt der jüdischen Kultur und Tradition in den öffentlichen Raum. Kultur ist der Sauerstoff für jede Gesellschaft.

Und so haben wir auch dieses Jahr ein facettenreiches und inspirierendes Programm. Es vermittelt Einblicke in die jüdische Tradition, Herkunft und Einflüsse. Und mehr denn je sind sie Ausdruck dafür, dass jüdisches Leben zu Münchens DNA gehört.“

Was sind die Highlights? Was erwartet die Besucher?

Judith Epstein: „Die Eröffnung mit den Schauspielern Fritz Wepper und Sunnyi Melles ist sicherlich ein Höhepunkt: literarische Klassiker und die Musik der international erfolgreichen Klezmer Band „Kol Simcha“ versprechen Geist, Witz und Euphorie.

Das 1986 gegründete Ensemble begeisterte schon das Publikum der New Yorker Carnegie Hall und der renommiertesten Jazz-, Klassik- und Weltmusikfestivals mit spontanen Jazz-Improvisationen, virtuosen Elementen der abendländischen Klassik, exotischen Melodien aus dem Mittelmeerraum sowie lockeren Beats und Grooves in bester Klezmer Tradition.

Ein weiteres Highlight ist der Abend zum 125. Geburtstag von Joseph Roth. Sunnyi Melles inszeniert eine wunderbare dokumentarische Lesereise. Ich persönlich freue mich besonders auf die Lesung von Nora Krug und die anschließende Gesprächsrunde, an der Dr. Charlotte Knobloch und Rupert Grübl, der Leiter der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, teilnehmen.

Und zum Abschluss auf die Filmvorführung „Auf Ediths Spuren“ mit anschließender Diskussionsrunde mit Sunnyi Melles und Peter Jungk über dessen aktuelle Buchverfilmung. Und ich bin schon sehr neugierig auf den Liederabend von Lea Kalisch, einer jungen Sängerin aus New York, die mit fulminanter Stimme Lieder in bester Klezmer Tradition singt.

Dieses Jahr haben Sie Schauspieler Fritz Wepper als Stargast dabei.

Judith Epstein: „Ich freue mich sehr über seine Zusage. Als Münchner Schauspiel-Legende ist er doch ein ausgezeichneter Brückenbauer zwischen den Kulturen. Ich bin wirklich gespannt auf seine Interpretation der Texte von Friedrich Torberg und Isaac B.Singer.“

In den letzten Monaten ist Antisemitismus wieder vermehrt Thema. Wie spiegelt sich das im Programm wider?

Judith Epstein: „Die Jüdischen Kulturtage waren schon lange vor antisemitischen Ausschreitungen oder dem mörderischen Attentat von Halle eine Antwort auf Ausgrenzung und Rassismus. Diese Ereignisse bestärken uns in unserem ehrenamtlichen Engagement, am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben. Wir tun das mit Kultur, denn die Sprache der Kultur verbindet.

Wer jemals mit der Vielfalt jüdischer Kultur und Tradition in Berührung kam, war begeistert von der lebensbejahenden Fröhlichkeit, aber auch dem feinsinnigen und nachdenklichen Humor, der sie auszeichnet.

Wir haben aufgrund des Attentats in Halle und zahlreicher wachsender Angriffe gegen jüdische Bürger/innen den Auftrag, uns sehr klar zu positionieren. Und uns noch stärker die Hände zu einem Dialog und dem kraftvollen Bekenntnis des Miteinander zu reichen.

Dies spiegelt sich auch in unserem Programm wider: von der Teilnahme Fritz Weppers an der Eröffnungsveranstaltung bis hin zur Präsentation des Filmes „Kippa“ von Lukas Nathrath in Anwesenheit von Münchner Schülern und Studenten.“

Warum ist es so wichtig, diese Jüdischen Kulturtage durchzuführen?

Judith Epstein: „Demokratie basiert auf Partizipation und Dialog. Ich bin keine Politikerin, aber sozusagen ein „Kulturjunkie“. Als Immobilienunternehmerin würde ich es so sagen: Kultur ist für mich Fundament und Brücke zugleich. Ohne ein gutes Fundament bleibt kein Haus stehen, und ohne Brücke bleibt es isoliert.

Austausch und die Verhandlung von Werten ist der beste Ansatz, um an der friedlichen Zukunft zu bauen. Meinen bescheidenen Beitrag versuche ich mit einem wunderbaren Team im Rahmen der Kulturtage zu leisten. Gerade jetzt ist es von Bedeutung zu zeigen, dass wir gemeinsame Werte vertreten und die Sprache der Kultur verbindet und ein festes Zeichen für Zusammenhalt und Miteinander setzt.

Für wen ist das Programm gedacht?

Judith Epstein: „Wir sprechen mit unseren Programmen natürlich alle Münchner an. Aber wir bieten verstärkt Formate an, die für Münchner Jugendliche interessant sind. Wir laden Schulklassen und weitere Jugendorganisationen ein, sich mit Themen wie Antisemitismus oder Heimat-Gedanken auseinanderzusetzen und mit uns in den Dialog zu treten. Nur Dialog, Wachrütteln und Bewusstmachen der heutigen Probleme auf dem Boden der Geschichte kann eine demokratiefähige und tolerante Jugend hervorbringen.“

Weitere Infos: www.juedischekulturmuenchen.de

Andrea Vodermayr

Gasteig
Rosenheimerstr. 5 - 8
81667 München

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