Der ganz-muenchen.de-Reisetipp: „Elisabeth“ In Wien. Das Erfolgsmusical ist nach 20 Jahren in die Stadt seiner Uraufführung zurückgekehrt.

Franziskus Hartenstein als Kaiser, Annemieke van Dam als Elisabeth (Foto: VBW – Brinkhoff)
Franziskus Hartenstein als Kaiser, Annemieke van Dam als Elisabeth
Ballsaal (Foto: VBW – Brinkhoff)
Ballsaal
Prolog(Foto: VBW – Brinkhoff)
Prolog
Kurosch Abbasi als „Attentäter Luigi Lucheni“ (Foto: VBW – Brinkhoff)
Kurosch Abbasi als „Attentäter Luigi Lucheni“

Fotos: VBW – Brinkhoff

Wien hat immer Saison. Von München sind es mit dem Auto rd. 450 Kilometer oder gute vier Stunden (und nur drei Stopps) mit dem Railjet - und damit ist Wien wunderbar geeignet für eine kurze Auszeit. Nur zwei oder drei Tage reichen schon, in Kultur und Lifestyle der österreichischen Hauptstadt einzutauchen. Gute Organisation ist schließlich alles.

Wer seine Reise für 2013 plant, sollte sich (rechtzeitig!) auch um Tickets für das Musical „Elisabeth“ im Raimund Theater bemühen. Wien und Elisabeth - zwei Namen, die zusammengehören. Schloss Schönbrunn, Hofburg, Stephansdom - viel Geschichte (und G‘schichterln) begegnen dem Besucher an jeder Ecke. Und der Mythos um die schöne Kaiserin, die bei Touristen aus Fernost geradezu Hysterie auslöst, wird von der Donaumetropole noch weit über ihren Tod hinaus sorgfältig gepflegt.

An Heiligabend 2012 jährte sich zum 175. Mal der Geburtstag der bayerischen Prinzessin vom Starnberger See, die mit Kaiser Franz Joseph das Habsburger Reich auf ihre ganz eigene Weise regierte. Und 2012 feierte auch der Musical-Welterfolg „Elisabeth“ (von Sylvester Levay und Michael Kunze) Jubiläum: Vor 20 Jahren begann der Triumphzug des Stückes mit der Uraufführung im Theater an der Wien.

Die wahre Geschichte der Elisabeth - nicht die der herzigen Kaiserin, wie sie auf den Kinoleinwänden der 50er Jahre von Romy Schneider dargestellt wurde, sondern einer klugen, emanzipierten Frau, die mit ihren Ideen und ihrem Leben der Zeit weit voraus war.

Das Stück ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. „Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht irgendwo auf der Welt „Elisabeth“ aufgeführt wird“, weiß Autor Michael Kunze.

Weit über 8,5 Mio. Zuschauer in elf Ländern (Europa und Asien) haben die Show zum erfolgreichsten deutschsprachigen Musical-Export gemacht.

Zum Musical-Jubiläum kehrt das Stück nun in die Stadt zurück, wo alles begann. Im Raimund Theater (Wallgasse 18-20, www.vbw.at) hebt sich jeden Abend der Vorhang für das Leben der Kaiserin, mit großartigen Solisten, einer beeindruckenden Inszenierung (Regie Harry Kupfer, Bühnenbild Hans Schavernoch) und mitreißenden Songs („Ich gehör nur mir“, „Der letzte Tanz“, „Wenn ich dein Spiegel wär‘“).

Wer das Stück in der Fassung der Deutschland-Tournee bereits gesehen hat, sollte dennoch den Besuch beim „Original“ nicht versäumen. Im Raimund Theater ist alles noch größer, noch opulenter.

Nicht nur die Bühnentechnik, die eben nur in einem festen Haus möglich ist, macht den Abend zu einem Highlight. Neu ist auch das Tonsystem: Sounddesigner Thomas Strebl setzt erstmalig in Österreich ein radarbasiertes Tonortungssystem ein, welches dem Publikum ermöglicht, die Darsteller aus jener Richtung zu hören, von der sie auch singen. Alles nur vom Feinsten.

In Wien, der Stadt Elisabeths, kommt die Handlung noch beeindruckender rüber. Und der Abend in Sisi‘s Welt fängt schon beim Betreten des Foyers an. Das Ambiente des eleganten Raimund Theaters, die hochkarätigen Namen auf dem Besetzungszettel und nicht zuletzt der Sound des 28-köpfigen Orchesters der Vereinigten Bühnen Wien - einfach wow! 

Was für eine Cast: Musicalstar Mark Seibert spielt den „Tod“ - athletisch, sehr männlich, sexy, nicht schön-androgyn wie einst Uwe Kröger - ein echter Kerl im Lederanzug. Die deutsche Schauspielerin Daniela Ziegler ist die Kaisermutter mit einem Herz aus Stein und gnadenloser Strenge bei jedem Ton.

Anton Zetterholm, seit einem TV-Casting für „Tarzan“ ein Liebling der Fans jeder Altersgruppe, beeindruckt mit kurzem, aber wichtigen Auftritt als „Kronprinz Rudolf“ und rührt an die großen Gefühle bei den Zuschauern. Franziskus Hartenstein, als Kaiser zerrissen zwischen der Liebe zu seinem Land und der Liebe zu seiner Frau, ist ein ebenbürtiger Part zur „Lichtgestalt“ Elisabeth, die von Annemieke van Dam gespielt wird.

Die zierliche Holländerin tourt schon seit einiger Zeit in dieser Traumpartie über die Musicalbühnen - und hat sich leider angewöhnt, energische Textpassagen zu oft herauszuschreien. Dennoch hat auch sie sich den Schlussapplaus mit Standing Ovations verdient.

Ebenfalls ein alter „Bekannter“ aus der Tourneeproduktion ist Kurosch Abbasi, der als „Attentäter Luigi Lucheni“ quasi Elisabeths Leben kommentiert. Ihm gehört die erste und die letzte Szene des Stücks - wenn er über die berühmte „Feile“ (2,5 Tonnen schwer, 13,4 m lang) hoch über der Bühne läuft. Überhaupt hält er als roter Faden die Geschichte zusammen. Eine wichtige Rolle  - die mit einem Absolventen der Bayerischen Theaterakademie besetzt ist! Kurosch Abbasi hat es geschafft, gleich nach dem Studium diese Rolle im Bühnenhit zu ergattern! Ein Hauptgewinn für jeden jungen Musicaldarsteller.

ganz- muenchen.de traf den Wahlmünchner backstage und wollte wissen, wie er damals reagiert hat, als er die Rolle bekam. Kuroschs Augen strahlen bei dieser Frage: „Ich weiß nur noch, dass ich vor Freude geschrien habe, an alles andere kann ich mich nicht mehr erinnern“, lacht der Künstler. „In Wien diese Rolle zu verkörpern ist nicht nur was Besonderes, sondern ein Geschenk. Die ganze Stadt identifiziert sich mit Sisi, ihrer Kaiserin. Die Stimmung im Theatersaal ist unglaublich, die Zuschauer sind richtig mit dabei - manchmal habe ich das Gefühl, ich bin auf einem Rockkonzert“, so Abbasi, derzeit in der Nähe des Naschmarkts zuhause.

„Lucheni“  ist der Erzähler, der Mörder. Er macht sich lustig, nimmt alles nicht so ernst. Ganz schön viele Facetten darf ein Darsteller da zeigen. Eine Traumrolle? Abbasi: „Luigi Lucheni ist eine facettenreiche Person, die im Stück ein wenig anders ist als damals im wahren Leben. Die Interaktion mit den Zuschauern, das sarkastische Kommentieren des Geschehens auf der Bühne und hin und wieder auch das Eintauchen in die Geschichte fordert ein hohes Maß an Konzentration und Disziplin von mir jeden Abend ab. Ich kann mich richtig ausleben in der Rolle, mag sehr die zynische Facetten der Rolle, liebe auch sehr die vielen kleinen puren Momente. In den 350 Vorstellungen, die ich bisher gespielt habe, ist die Rolle ein großer Teil meines künstlerischen Schaffens geworden. Jede Vorstellung ist anders, die Zuschauer sind jeden Abend anders drauf, es entstehen immer neue Stimmungen. Es ist eine Traumrolle, an der ich sehr gerne jeden Tag weiterarbeite.

ganz-muenchen.de: Bevor Sie abends auf die Bühne gehen – gibt es ein bestimmtes Ritual?

Kurosch Abbasi: „Ich bin immer zwei Stunden vor der Vorstellung im Theater und gehe kurz auf die leere Bühne, nehme den Raum wahr. Meine Aufgabe bei der Vorstellung ist es, die Stimmung der Zuschauer aufzunehmen, zu reagieren und sie von ihrem Alltag abzuholen und in das Musical Elisabeth eintauchen zu lassen“.

Und das macht Abbasi mit Bravour - allabendlich jubelt das Publikum. „Die Fans von Elisabeth sind einzigartig, viele kommen mehrmals zu den Vorstellungen, am Bühneneingang warten sie bei jedem Wetter auf uns und geben kleine Geschenke, wollen Autogramme und Fotos“, erzählt Abbasi.

ganz-muenchen.de: Den Lucheni  haben Sie ja bereits in der Tour-Version gespielt. Im Raimund Theater gibt es einige neue Kollegen und auch die Bühnentechnik kann in einem festen Haus stärker eingesetzt werden. Mussten Sie sich sehr umstellen, was Mitspieler und Wege betrifft?

Kurosch Abbasi: „Ich musste mich nicht nur umstellen, ich wollte. Neue Kollegen bedeuten auch für mich neuer Input, ich reagiere und spiele mit jeder Besetzung anders. Es gibt in jeder Probe und Vorstellung neue, interessante Impulse und Momente die entstehen, welche für mich unglaublich spannend sind und die ich nicht missen möchte. Des weiteren ist die Bühnentechnik im Raimund Theater unglaublich toll, Bühnenbildner Hans Schavernoch konnte aus dem Vollen schöpfen, so dass sich für mich einiges im Vergleich zur Tourfassung geändert hat.

ganz-muenchen.de: Im Raimund Theater spielt ein 28-köpfiges Orchester. Ein großartiger Klang! Muss man sich als Sänger umstellen?

Kurosch Abbasi: „Das VBW-Orchester in der allabendlichen Größenbesetzung ist einzigartig in Europa. Als wir eine Woche vor der Premiere die Sitzprobe mit dem Orchester und unserem Chefdirigenten Koen Schoots hatten, habe ich richtig Gänsehaut bekommen. Der Klang ist überwältigend!

Fazit nach dem Besuch der Wiener „Elisabeth“-Aufführung und dem Gespräch mit Kurosch Abbasi: Sieht ganz danach aus, als ob München noch lange warten muss, bis der sympathische Künstler wieder „zuhause“ spielen wird. Es gibt noch zu viele große Showbühnen, die von ihm erobert werden wollen.

Gaby Hildenbrandt

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