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Sonderausstellung mit Chagall, Picasso, Beckmann, Kirchner, Kokoschka im Buchheim Museum
Buch & Kunst der Moderne. Sonderausstellung von 14.03.-21.06.2010

Buchheim Museum, Bernried (Foto: Martin Schmitz)
Buchheim Museum in Bernried
Sonderausstellung mit Chagall, Picasso, Beckmann, Kirchner, Kokoschka im Buchheim Museum Buch & Kunst der Moderne. Sonderausstellung von 14.03.-21.06.2010
Sonderausstellung mit Chagall, Picasso, Beckmann, Kirchner, Kokoschka im Buchheim Museum Buch & Kunst der Moderne. Sonderausstellung von 14.03.-21.06.2010



©Fotos: Martin Schmitz

Seit seiner Eröffnung im Mai 2001 konnte allein das Museum der Phantasie in Bernried bis August 2008 schon über 1.000.000 Kunst-Fans anziehen, die die Kombination aus der hochkarätigen Sammlung von Lothar-Günther Buchheim und der Lage am Starnberger See genossen.

Herzstücke der Buchheim’schen Bücherschätze, prachtvolle Malerbücher von Marc Chagall und Pablo Picasso sowie von Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Ernst Barlach, Max Pechstein und weiteren Künstlern des deutschen Expressionismus sind ab 14. März 2010 erstmals im Buchheim Museum zu sehen. Dazu etliche Graphikfolgen aus Mappenwerken und auserlesene Einzelblätter.

Wie die Künstler die literarischen „Stoffe“ umgesetzt haben, können die Besucher in der als Schau- und Lesevergnügen konzipierten Ausstellung unmittelbar nachvollziehen: Etliche Bücher kann man als Faksimiles ansehen, andere literarische „Vorlagen“, etwa von Goethe, Gogol und Flaubert, aber auch von Autoren des literarischen Expressionismus, liegen in unseren Leseinseln aus.

Als der große französische Kunsthändler Ambroise Vollard (1867-1939) um 1900 damit begann, „seine“ Künstler mit der Illustration von literarischen Texten zu beauftragen, war nicht nur der Verleger Vollard, sondern auch das „livre de peintre“, das „Malerbuch“, geboren. Gänzlich neu war dabei, dass die Maler sich nicht auf Darstellungen beschränkten, die dem Text abbildhaft folgten und ihm untergeordnet waren, wie dies vordem üblich gewesen war, sondern dass sie ihrer Phantasie und Imagination freien Lauf ließen.

Die individuelle Interpretation und der persönliche Zugriff des Künstlers auf den Text sowie die besondere künstlerische Qualität und Originalität der Illustration, machen also den besonderen Reiz des „Malerbuchs“ aus.

Dazu wurden diese bibliophilen Kostbarkeiten mit meisterhaft gedruckten Originalgraphiken – zumeist Lithographien oder Holzschnitte – ausgestattet, an denen die Künstler oft jahrelang arbeiteten. Die Wahl des Papiers und der Schrift sowie Satzspiegel, Einband und Vorsatz wurden zumeist mit dem Künstler abgestimmt. Die Auflagen der Bücher waren limitiert und die einzelnen Exemplare nummeriert.

Vollard schreibt in seinen Erinnerungen, dass sich eine Dame bei ihm über den hohen Preis der Bücher beschwerte, woraufhin er höflich einwandte: „Madame, Sie kaufen doch auch Schmuck?“, und sie lebhaft entgegnete: „Aber ich kann doch keine Bücher als Schmuck tragen“.

Wie prachtvoll und faszinierend illustrierte Bücher sein können, veranschaulicht nun eine Auswahl bibliophiler Raritäten aus der Sammlung Buchheim, die größtenteils zu den Malerbüchern gerechnet werden können.

Allen voran Marc Chagalls Illustrationen zu den Fabeln von La Fontaine und zur Bibel, die Ambroise Vollard angeregt hatte. Und als weiterer Höhepunkt: Pablo Picassos Radierungen zu Sonetten des spanischen Barockdichters Góngora y Argote.

Eine zweite Gruppe bilden buchkünstlerische Werke deutscher Expressionisten: Ernst Ludwig Kirchners Holzschnittillustrationen zu Georg Heyms nachgelassenen Gedichten sind das Herzstück der „Brücke“- Kollektion. Während Oskar Kokoschka und Ernst Barlach Bilder zu ihren eigenen Dramen schufen, also Textautor und „Illustrator“ zusammenfallen, entwickelten andere Maler, etwa Max Beckmann und Max Kaus, eine große Affinität zu „ihren“ Texten, denn sie hatten diese entweder selbst ausgewählt oder waren mit den Literaten befreundet.

Dass Lothar-Günther Buchheim neben seiner überbordenden Gemälde- und Graphiksammlung auch eine Buchkollektion von so herausragender Qualität und Vielfalt zusammengetragen hat, ist erstaunlich. Doch mehr noch sein Sinn für feine Differenzierungen, der den leidenschaftlichen Bibliophilen und wahren Kunstkenner verrät: Max Beckmanns Radierungen zu Kasimir Edschmids Erzählung „Die Fürstin“ beispielsweise liegen nicht nur in gebundener Form - in zwei Buchexemplaren mit unterschiedlichen Einbänden - vor, sondern auch in Einzelblättern.

Auch dass Buchheim, der ja selbst Verleger war und zahlreiche Standardwerke über den deutschen Expressionismus schrieb, an kunstwissenschaftlichen Werken und an der Kunstliteratur der Zeit interessiert war, ist ein Aspekt, der die Buchheim’sche Sammlung ungemein spannend macht.

Zumal einige dieser Bücher, wie beispielsweise die von Gustav Schiefler verfassten Werkverzeichnisse der Druckgraphik Noldes und Kirchners, buchkünstlerische Glanzstücke sind: die Künstler bestimmten die Gestaltung mit und schufen für diese Publikationen Druckgraphiken.

Weil zahlreiche Arbeiten, die man seinerzeit abbildete oder besprach, da Zeitgenossen oder die Künstler sie für besonders wichtig und aussagekräftig hielten, auch in der Sammlung Buchheim zu finden sind, haben wird dies zum Anlass genommen, in einigen Fällen Buch und Druckgraphik gemeinsam zu präsentieren.

Die Bestände der Kunstbücher und Zeitschriften vergegenwärtigen zudem, wie ausnehmend lebendig, vielschichtig und impulsgebend sich insbesondere das Berliner Kunstleben von der Jahrhundertwende bis in die frühen 1920er Jahre gestaltete.

Aber nicht nur dies: Einzelne Stücke ergänzen sich oder lassen interessante Schlüsse und Querverbindungen zu.

So gibt es zum Beispiel eine Reihe der Radierungen in der Sammlung, die Marc Chagall auf Anregung des seinerzeit neue Maßstäbe setzenden Kunsthändlers und Verlegers Paul Cassirer (1871-1926) zu seiner Autobiographie „Mein Leben“ geschaffen hat.

Dass im selben Jahr - 1923 -, als diese Blätter publiziert wurden, Herwarth Walden (1878-1941), der Herausgeber der Zeitschrift „Der Sturm“ und Betreiber der gleichnamigen Galerie, sein Marc-Chagall-Buch neu auflegen ließ, ist kein Zufall. Darin steht kurz und bündig: „Marc Chagall ist Russe. Sein Werk wurde durch den Sturm in der ganzen Welt eingeführt und bekannt gemacht“, darunter eine Auflistung aller vom „Sturm“ im In- und Ausland organisierten Ausstellungen und eine Nennung weiterer Verdienste um Chagalls Werk.

Mit der Broschüre „Aufruf an alle Künstler!“, dessen Titelbild Max Pechstein gestaltete, Franz Pfemferts literarischer und politischer Zeitschrift „Die Aktion“ und Publikationen von George Grosz etwa werden gleichzeitig die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Nachkriegsjahre deutlich, die durch Revolution und Konterrevolution gekennzeichnet waren. Die meisten der hier präsenten Künstler und Literaten waren von den Kriegserlebnissen gezeichnet.

Info Buchheim Museum, Am Hirschgarten 1, 82347 Bernried, Tel. 08158/997020, Fax 08158/997061, E-mail info@buchheimmuseum.de, Internet www.buchheimmuseum.de).

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