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Jean Dubuffet - ein Leben im Laufschritt
Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung München vom 19.06.-30.08.2009

Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle (Foto: Imgrid Grossmann)
Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle
Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle (Foto: Imgrid Grossmann)

Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle (Foto: Imgrid Grossmann)

Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle (Foto: Imgrid Grossmann)

Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle (Foto: Imgrid Grossmann)













Retrospektive Jean Dubuffet in der Hypo Kunsthalle (Foto: Imgrid Grossmann)

©Fotos: Ingrid Grossmann

Seit 19.06. bis zum 30.08.2009 zeigt die Münchner Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung eine umfangreiche Retrospektive zu Jean Dubuffet mit über 150 Gemälden, Papierarbeiten und Skulpturen.

Bis auf zwei Präsentationen in der Grafischen Sammlung in München (1966 und 1983) wurde dem Künstler im süddeutschen Raum bislang keine Ausstellung gewidmet.

Daher ist es höchste Zeit, den französischen Maler und Bildhauer Jean Dubuffet (1901-1985) in München erstmals in einer groß angelegten Retrospektive dem breiten Publikum vorzustellen, der zu den prominentesten Vertretern der französischen Nachkriegskunst zählt.

Jean Dubuffets Werk "im Laufschritt" zu präsentieren, entsprechend dem Titel seiner kurz vor seinem Tod verfassten Autobiografie, ist der Versuch einen Eindruck vom geistigen Tempo dieses Künstlers zu geben, welcher weit mehr ist als ein Maler und Bildhauer, nämlich gleichermaßen Schriftsteller, Dichter und Philosoph.

Jean Dubuffet ist einer der wichtigsten Impulsgeber in der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Seine Vermittlerrolle zwischen der Poesie eines Paul Klee oder Max Ernst und den sensiblen Oberflächen der informellen Malerei der 50er Jahre wurde von seinen Künstlerkollegen zu allen Zeiten wahrgenommen und geschätzt.

Durch sein Interesse für das Abseitige, wie die Kunst von Außenseitern oder das Erkennen des kreativen Potentials von Straßenkunst, hat er bis heute die allgemeine Wahrnehmung verändert. Jean Dubuffet schätzt und sammelt solche Werke und prägt für diese ursprünglichen Ausdrucksformen den Begriff "Art Brut", der bis auf das revolutionäre Potential jedoch nichts mit seiner eigenen, sehr intellektuellen Herangehens-weise an die Kunst zu tun hat.

Die einstmals schockierende Bildsprache von Graffities und Schmierereien auf Pissoirs oder Häuserwänden findet in seinen Werken zu einer neuen Ästhetik. Das heute so zeitgemäße Verschränken von "high and low culture" findet bei Dubuffet ihren Ausgangspunkt.

Dubuffet wurde als Sohn einer großbürgerlichen Familie von Wein-Großhändlern in Le Havre geboren. Nach dem Abitur begann er ein Kunststudium an der Akademie von Le Havre. 1918 begab er sich nach Paris, um Literatur, Sprache und Musik zu studieren.

Hier lernte Jean Dubuffet 1919 Max Jacob kennen. In den zwanziger Jahren malte er im Umkreis der Pariser Surrealisten gegenständliche Kompositionen, gab die Kunst aber bald auf.

Nach langer Schaffenspause, in der er als Weinhändler arbeitete, setzte er 1942 erneut mit naiven Gemälden ein; seine erste Einzelausstellung fand 1944 in der Pariser Galerie René Drouin statt.

Die Ausstellung setzt mit Arbeiten dieser Jahre ein und führt mit signifikanten Gruppen seiner verschiedenen Werkphasen durch das gesamte Oeuvre.

Zu den figurativen Anfängen seiner "Marionettes de la ville et de la campagne" gesellen sich alsbald aus Sand, Gips und Teer gespachtelte, geknetete, geradezu "gekochte" Materialbilder. Sie zeigen die Menschen aus Paris und nach seinen Sahara-Reisen auch aus der Wüste.

Die geradezu gewalttätig aufgewühlten Leiber seiner "Corps de dames" markieren mit ihren sensiblen Oberflächenstrukturen einen Übergang zu den völlig ungegenständlichen aber konkreten "Texturologies" und "Matériologies". Diese zellenartigen, manchmal mikroskopisch anmutenden "Célébrations du sol" verwandeln sich nach der Rückkehr des Künstlers von der Côte d'Azur nach Paris ab den 60er Jahren zu grell leuchtenden Bildern des "Paris Circus".

Nun erst beginnt in den Augen von Jean Dubuffet erst seine abstrakte Phase: Der Künstler erfindet nach seinen Materialitäten nun eine geistige Welt, die ausschließlich aus den Farben Rot und Blau und den Unfarben Weiß und Schwarz besteht.

Diese virtuelle Welt des "Hourloupe" wird mit der Zeit konsequent dreidimensional, begehbar und schlussendlich sogar mit Schauspielern in "Coucou Bazar" bevölkert.

In den 70er Jahren collagiert der Künstler in einer Art Rückschau auf das eigene Werk ein "Théâtres de mémoire". Ehe sich in den letzten Lebensjahren seine Welt in "Sites" (Gegenden), "Mires" (Blickpunkte) und schließlich "Non-lieux" (Nicht-Orte) auflöst.

In der Ausstellung werden Schlüsselwerke all dieser Phasen gezeigt und verdeutlichen die organische Entwicklung, die das Werk Dubuffets von Figuration zur Abstraktion und wieder zurück zur Figuration durchzieht.

Immer wieder hat Dubuffet gefordert, Kunst müsse den Geist anrempeln um ihn in Bewegung zu versetzen. Er gibt dieser Forderung Ausdruck in unverbrauchten Medien und ungewohnten Formen innerhalb seines Schaffensprozesses. Dabei geht es ihm vor allem darum, das Andere und Neue realisierbar werden zu lassen.

Ausgehend vom selten gezeigten Bestand der Samm-lung Viktor und Marianne Langen, der größten Jean Dubuffet Sammlung in Deutschland, ist es der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung gelungen, mit intensiver Unterstützung der Fondation Dubuffet in Paris, eine Auswahl zu treffen, welche das gesamte Schaffen des französischen Künstlers vorstellt.

Wichtige Leihgaben aus Museen wie dem Centre Pompidou, dem Musée des Arts décoratifs Paris, der Neuen Nationalgalerie in Berlin und zahlreichen Museen, Galerien und Privatsammlungen aus ganz Europa konnten für die Ausstellung gewonnen werden.

Vorangegangen ist der Münchner Ausstellung eine wesentlich kleinere Präsentation in der Langen Foundation in Neuss.

Diese erste Einzelschau setzte mit ca. 50 Gemälden Dubuffets den Akzent auf wichtige Arbeiten aus der Sammlung Viktor und Marianne Langen.

Nach der großen Retrospektive in München werden vom 29. September 2009 bis 10. Januar 2010 insgesamt 30 ausgewählte Gemälde und Papierarbeiten aus einigen Schaffensphasen im Museum Lothar Fischer in Neumarkt gezeigt.

Dort treten sie mit den Werken des Münchner SPUR-Künstlers Lothar Fischer, der Dubuffet kannte und sein Schaffen außerordentlich schätzte, in einen Dialog.

Im Literaturhaus München wird zeitgleich zu der Ausstellung in der Münchner Kunsthalle die Ausstellung "Jean Dubuffet - Leben und Bücher" gezeigt.

Im Mittelpunkt stehen dabei seine Künstlerbücher, die ihn gleichermaßen als Dichter, Zeichner und Schriftsteller ausweisen. Informationen finden Sie unter: www.literaturhaus-muenchen.de

Beim Besuch beider Dubuffet-Ausstellungen wird gegen Vorlage einer Eintrittskarte der Kunsthalle oder des Literaturhauses gegenseitig Ermäßigung gewährt.

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Jean Dubuffet Retrospektive
Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung
bis 30.08.2009
Theatinerstraße 8
80333 München 


Öffnungszeiten
19. Juni – 30. August 2009
täglich 10 bis 20 Uhr
27. Juni HVB-Festspielnacht: Kunsthalle ab 17 Uhr geschlossen

Eintrittspreise
Regulär: € 8,–
Gruppen (ab 10 Personen)
und Rentner: € 7,–
Schüler, Studenten (unter 30 Jahren) und Arbeitslose: € 4,–

Führungen
Öffentliche Führungen der Volkshochschule (Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich). Mo, Sa: 11.30 Uhr, Di, Do, Fr: 15.30 Uhr, Mi: 18.30 Uhr

Begleitprogramm zur Ausstellung

Führung für Kinder
von 6 bis 10 Jahren; in Zusammenarbeit mit dem Museums-Pädagogischen Zentrum, MPZ Mittwochs um 15 Uhr. Anmeldung unter Tel. 089 224412, Eintritt € 4,–

Film
»Autoportrait de Jean Dubuffet, 1962« von Les Films de la Pléiade, Regie Gérard Patrig

Während der Öffnungszeiten in der Ausstellung Vorträge:

  • 23. Juni 2009
    Jean Dubuffet – Umfeld und Wirkung (Prof. Dr. Andreas Franzke)
  • 21. Juli 2009
    Brut, cuit, confit – Dubuffet kocht Kunst (Dr. Mechthild Haas, Leiterin der Graphischen Sammlung, Hessisches Landesmuseum Darmstadt)

Kuratoren der Ausstellung
Dr. Chrysanthi Kotrouzinis, Dr. Christiane Lange

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog bei Hirmer. Der Katalog kostet in der Kunsthalle € 25,–

Blauer Montag:
An jedem Montag, der nicht auf einen Feiertag fällt, halbieren sich alle Eintrittspreise.

Internet www.hypo-kunsthalle.de


MVV/MVG:
U4/U5: Odeonsplatz, U3/U6: Marienplatz und Odeonsplatz, S-Bahn: S1 - S8: Marienplatz, Straßenbahn Linie 19: Theatinerstraße, Bus Linie 100: Odeonsplatz


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