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Ai Weiwei "So Sorry.
Ausstellung im Haus der Kunst
vom 12.10.2009-17.01.2010

Ai Weiwei "So Sorry. Ausstellung im Haus der Kunst. Gezeigt werden vielseitige Arbeiten des chinesischen Ausnahmekünstler und Architekten Ai Weiwei. Ai Weiwei gilt als der bedeutendste chinesische Künstler der Gegenwart. International bekannt wurde er auch durch seine konzeptionelle Arbeit für das Pekinger Nationalstadion - das sogenannte "Vogelnest
Ausstellungsplakat "Ai Weiwei - So Sorry"
Ai Weiwei, Soft Ground, 2009 and  Rooted upon, 2009, 100 pieces of tree trunks, und Fairytale, 2007 1001 Chinese visitors, Wallpaper from digital photographs (Foto: Ai Weiwei)
Ai Weiwei, Soft Ground, 2009 and Rooted upon, 2009, 100 pieces of tree trunks, und Fairytale, 2007 1001 Chinese visitors, Wallpaper from digital photographs

Ai Weiwei, September 2009

©Fotos: Haus der Kunst, Ai Weiwei

Ai Weiwei "So Sorry. Ausstellung im Haus der Kunst. Gezeigt werden vielseitige Arbeiten des chinesischen Ausnahmekünstler und Architekten Ai Weiwei. Ai Weiwei gilt als der bedeutendste chinesische Künstler der Gegenwart. International bekannt wurde er auch durch seine konzeptionelle Arbeit für das Pekinger Nationalstadion - das sogenannte "Vogelnest".

"Wie konnte sich in China unter kaiserlicher Gewaltherrschaft handwerkliche Raffinesse und Kunstfertigkeit derart entwickeln und entfalten? Für mich ist das Haus der Kunst, das in Hitlers Auftrag für die Leistungsschauen deutscher Kunst errichtet wurde, inhaltlich und formal der geeignete Rahmen, um über diese Frage nachzudenken." Ai Weiwei

Die Ausstellung stellt zwei großformatige, eigens für das Haus der Kunst entworfene Arbeiten vor; außerdem vereint sie frühe Fotografien mit den seit 2003 entstandenen Filmen, der Dokumentation von dem documenta-Projekt "Fairytale" sowie einer Auswahl der seit 1997 entstandenen Werke.

Der Titel "So Sorry" zielt auf die neue Entschuldigungskultur, mit der Politiker und Vorstände auf Fehlentwicklungen am Finanzmarkt und andere globale Krisen reagieren.

Blog-Aktivität und politisches Engagement

Nach Ansicht von Ai Weiwei sind die wichtigsten politischen Debatten der letzten zehn Jahre in China durch das Internet initiiert worden. Diesem Medium spricht er daher das größte Potential zu, gesellschaftliche Veränderungen zu bewirken.

Der Blog, den Ai Weiwei selbst unterhält, stößt mit durchschnittlich 10.000 Besuchern pro Tag auf enormes Interesse. Auf verschiedenen Blogs dokumentiert Ai Weiwei seine Aktivitäten und künstlerischen Projekte, fordert immer wieder Meinungsfreiheit und Pressefreiheit und ruft seine chinesischen Mitbürger zu eigenständiger Kritik und unabhängigem Urteil auf.

Jedes Mal, wenn sein Blog geschlossen wird, eröffnet Ai Weiwei an anderer Stelle einen neuen; auf Initiative des Haus der Kunst bloggte er nun zum ersten Mal auch auf Englisch (aiweiwei.blog.hausderkunst.de/).

(Noch ein Link zu Ai Weiwei: https://artsy.net/artist/ai-weiwei)

Am 12. Mai 2008 erschütterte ein Erdbeben der Stärke acht auf der Richterskala die chinesische Provinz Sichuan. Unter den etwa 80.000 Opfern waren mehrere tausend Kinder, die unter den Trümmern eingestürzter Schulen begraben wurden. Da die Nachbargebäude dieser Schulen auffallend oft unbeschädigt geblieben waren, wurde der Vorwurf von Pfusch am Bau erhoben, den die Regierung aber von sich wies.

Mit einem Team von rund 30 Freiwilligen recherchierte Ai Weiwei die Namen der Opfer - gegen den Widerstand der Regierung, die nicht offiziell über die tatsächliche Anzahl der Toten informierte und den Eltern der Opfer, die den Namen ihres verunglückten Kindes nennen würden, mit Repressalien drohte.

Dennoch konnte Ai Weiwei auf seinem Blog über 4.000 Namen veröffentlichen.

Neue Arbeiten aus 2009

"Remembering" wurde für die Fassade des Haus der Kunst entworfen und besteht aus 9.000 eigens angefertigten Rucksäcken. Ai Weiwei ruft hiermit das Erdbeben in Sichuan ins Gedächtnis, denn bei den eingestürzten Schulen fanden sich viele Rucksäcke der verschütteten Kinder.

Jeder Rucksack hat eine von insgesamt fünf verschiedenen Farben; ihre Anordnung ergibt in chinesischen Schriftzeichen den Satz "Sieben Jahre lang lebte sie glücklich in dieser Welt", mit dem die Mutter eines Erdbebenopfers ihrer Tochter gedachte.

Das pixelhaft wirkende Großbild erstreckt sich über eine Länge von 100 Metern und eine Höhe von zehn Metern über die gesamte Fassade und ist mit einer Stahlkonstruktion an den Säulen vorm Haus befestigt.

Ebenfalls für die Ausstellung gefertigt wurde der Wollteppich "Soft Ground", der im größten Ausstellungsraum eine Fläche von 380 Quadratmetern bedeckt. Das Muster von "Soft Ground" ist eine getreue Reproduktion der 969 steinernen Bodenfliesen, über die der Teppich gebreitet wird.

Um die Bodenfliesen - einschließlich der Spuren, die 70 Jahre Ausstellungsbetrieb hinterlassen haben - präzise zu rekonstruieren, wurde jede Fliese im Vorfeld einzeln fotografiert und ihre Position verzeichnet. In einer Wollweberei in der Provinz Hebei handgefertigt, fungiert "Soft Ground" nun als Dämpfer, der den Boden schont und natürlich auch eine akustische Wirkung hat.

Zu Ai Weiweis jüngsten und in der Ausstellung präsentierten Werken gehören außerdem: "Rooted upon", eine 100-teilige Großinstallation von Baumstämmen aus ganz China, die auf "Soft Ground" installiert wird; "Cube in Ebony", ein Kubus aus massivem Rosenholz mit den Maßen 100 x 100 x 100 cm; "Bamboo and Porcelain", eine in Zusammenarbeit mit Herzog & de Meuron entstandene Installation für die Fassade an der Rückseite des Haus der Kunst.

"Fairytale" und "Template"

Ai Weiwei zog während der letzten documenta (2007) viel Aufmerksamkeit auf sich, als er für sein Projekt "Fairytale" 1.001 Chinesen nach Kassel einlud. Sie kamen in Gruppen von 200 Personen und blieben jeweils eine Woche.

Für viele von ihnen war es die erste Reise ins Ausland, für manche die erste Reise überhaupt. Überzeugt, dass individuelle Erfahrungen die Grundlage für gesellschaftlichen Wandel bilden, wollte Ai Weiwei seinen Landsleuten mit dieser Reise eine solche Erfahrung ermöglichen.

Jeder der 1.001 chinesischen documenta-Gäste ist in der Ausstellung mit einem Schwarz-weiß-Porträt präsent, und in ihrer Gesamtheit ergeben diese Porträts eine Fototapete; neben einem Dokumentarfilm über das documenta-Projekt wird auch die Holzskulptur "Template" gezeigt sowie die von Ai Weiwei entworfenen Wohneinheiten, die den Chinesen in Kassel als Unterkunft dienten: Jedem Gast stand ein Bett mit Matratze und Bettwäsche, ein antiker Stuhl sowie ein schwarz-weißer Rollkoffer für sein Gepäck zur Verfügung.

Zerstörung und Recycling

Für seine künstlerische Produktion eignet sich Ai Weiwei chinesische Antiquitäten oder spirituelle Artefakte an, die er stark verändert oder deren Zerstörung er zum Bestandteil eines Kunstwerks macht.

Prominentes Beispiel hierfür sind die von ihm veränderten, antiken chinesischen Vasen: die dreiteilige Fotoserie, wie er eine Vase fallen lässt und sie in tausend Scherben zerbricht (Dropping a Han Dynastie Urn, 1995), mit dem Schriftzug "Coca-Cola" bemalte Vasen und in Industriefarbe getauchte Vasen (fortlaufende Serien).

Auf den ersten Blick wirken solche Aktionen oder performance-basierten Installationen wie Gesten des Bildersturms; doch will er hiermit die Frage stellen, wie Altes und Neues nebeneinander bestehen kann, wie die neue Qualität von Tradition aussehen könnte und wie sich das moderne China zu sich selbst verhält.

Ai Weiwei beauftragt angesehene handwerkliche Traditionswerkstätten wie die Brennöfen von Jingdezhen mit der Ausführung seiner Porzellanarbeiten und lässt die Einzelteile seiner Holzskulpturen ohne Nägel zusammenfügen, wie im klassischen chinesischen Zimmermannshandwerk üblich.

So hervorragend ausgebildete Handwerker, wie er sie beschäftigt, reagieren durchaus empfindlich, wenn sie ihr Können in den Dienst seiner künstlerischen Anliegen stellen sollen: Sonnenblumensamen aus Porzellan herzustellen oder das jahrhundertealte Holz von Tempelbauten für eine Landkarte Chinas zu verwenden.

Die technische Perfektion und hohe sinnliche Qualität von Ai Weiweis Werken wirft Fragen auf, die für jede Kultur zentral sind: Wer bestimmt, was kostbar ist? Wer bestimmt, was für eine bestimmte Gesellschaft bleibende Werte sind, und aus welchem Grund?

Biografie und künstlerischer Werdegang

Ai Weiwei (geb. 1957) ist der Sohn des Dichters Ai Qing. Mao schätzte Ai Qing zwar, aber während der Kulturrevolution (1966 bis 1976) waren nur Gedichte über seine eigene Person erwünscht. Für Ai Qing wurde Peking daher zunehmend gefährlich, und mit der Hilfe eines Freundes ging er nach Shihezi in der Provinz Xinjiang; dort trug Ai Weiwei als zweitältester Sohn zum Unterhalt der Familie bei.

Ai Qing wurde 1976 rehabilitiert; 1979 konnte er nach Österreich und Deutschland reisen und besuchte u.a. die KZ-Gedenkstätte Dachau. Die Familie zog nun zurück nach Peking.

Dort begann Ai Weiwei zunächst an der Film Academy zu studieren. Nach seinem Aufbruch in die USA 1981 studierte er bei Sean Scully an der Parsons School of Design in New York. Weil sein Vater erkrankte, kehrte Ai Weiwei 1993 nach China zurück und lebt seitdem in Peking.

Bis zu seiner Rückkehr aus New York lebt das künstlerische Werk von Ai Weiwei zunächst von Wechseln der Form, der Gattung und des Materials. Anfang der 80er-Jahre entstanden gemalte Akte, die entfernt an die Figuren von Edvard Munch erinnern, und 1985 drei Porträts von Mao. 1986 wandte sich Ai Weiwei nach zwei Gemälden der Mona Lisa, die er in Anbetracht des so strapazierten Sujets emotional erstaunlich neutral halten konnte, von der Malerei ab.

Schon 1983 hatte er seine ersten Skulpturen mit integrierten Alltagsgegenständen geschaffen; sie bezeugen seine Faszination von Duchamp und Warhol. Ende der 80er-Jahre entstanden hauptsächlich Fotos - für ihn eine Form des Skizzierens und Erinnerns.

Zurück in China, schuf Ai Weiwei mit drei von ihm verlegten Büchern, in denen andere zeitgenössische chinesische Künstler ihre Vorgehensweise erklärten, ein Manifest der chinesischen Avantgarde (The Black Cover Book, 1994; The White Cover Book, 1995; The Grey Cover Book, 1997).

In dieselbe Zeit fallen seine ersten Arbeiten mit antiken chinesischen Vasen und antikem chinesischen Holz. Zu diesen Materialien, die er bis heute verwendet, sind Süßwasserperlen, Steine, Tee, Marmor und Lacke hinzugekommen.

Das Wohnatelier, das sich Ai Weiwei in Peking bald nach seiner Rückkehr und nach eigenem Entwurf gebaut hat, war der Beginn seiner Tätigkeit als Architekt.

Unter den öffentlichen Aufträgen, die er anschließend erhielt, ist auch das Stadion für die Olympischen Spiele in Peking 2008; hier agierte Ai Weiwei als kultureller Dolmetscher für die mit Entwurf und Bau beauftragten Architekten Herzog & de Meuron.

Sein bisher größtes Architekturprojekt "Ordos 100" ist eine Wohnsiedlung in der Inneren Mongolei. Ihre 100 Villen werden von 100 Architekten aus 27 Ländern entworfen, die von Herzog & de Meuron ausgewählt wurden; Ai Weiwei kuratiert das Projekt.

Ai Weiwei hat außerdem mehrere Langfilme über den Verkehrsinfarkt in Peking gedreht (2002-2014); die Kamera fährt die Straßen des Chang'an Boulevards sowie des Zweiten und Dritten Rings ab. Die Filme haben keine weitere Handlung und unterscheiden sich durch die Wetterverhältnisse: "Beijing: The Second Ring" wurde an bewölkten Tagen gedreht, "Beijing: The Third Ring" an sonnigen - ein "fast mathematischer, un-emotionaler Weg, um die Ohnmacht der Menschen und die blinde Natur städtebaulicher Sanierung zu zeigen" (Ai Weiwei).

Und schließlich ist auch das tägliche Schreiben für den eigenen Blog fester Bestandteil von Ai Weiweis künstlerischer Tätigkeit; denn gesellschaftlich und politisch Position zu beziehen, dazu ist ein Künstler seiner Ansicht nach moralisch verpflichtet.

Programm zur Eröffnung der Ausstellung am Sonntag, den 11. Oktober 2009
12 Uhr Chris Dercon / Welcome, Roger Buergel / Intro
14 Uhr Artist's Talk. Ai Weiwei im Gespräch mit Uli Sigg und Chris Dercon
16 Uhr Curating architecture. Sit-ins mit Minsuk Cho, Milica Topalovic, Srdjan Jovanovic Weiss, Eyal Weizman und Ines Weizman, Teilnehmer an dem von Ai Weiwei kuratierten Projekt "Ordos 100"
18 Uhr In Concert: Zuoxiao Zuzhou, mit DJ Karl Bruckmaier

China rock on tour
Am Freitag, den 16. Oktober 2009 um 21 Uhr geben die Bands Carsick Cars und Joyside ein Konzert im Haus der Kunst

Talk
Dienstag, 24. November 2009, 20 Uhr
Ulrich Beck und Sarat Maharaj im Gespräch

Begleitbuch bei Prestel
mit fotografischer Dokumentation des Ausstellungsaufbaus, einem Beitrag von Mark Siemons und Texten aus den Blogs von Ai Weiwei; 128 Seiten, gebunden € 19,95, mit Fadenheftung € 2, ISBN 978-3-7913-5014-1

Gefördert durch die Schörghuber-Unternehmensgruppe
Medienpartner: Bayern 2 und Deutsche Welle TV

Überblick und Archiv: aktuell und vergangene Ausstellungen im Haus der Kunst (mehr)

©Fotos & Text: Haus der Kunst

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Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
80538 München
Öffnungszeiten: Mo-So 10-20h und Do 10-22h

MVG/MVV U-Bahn Lehel oder Odeonsplatz
Eintritt:
Euro 7,00 / erm. Euro 5,00 / Jugendliche unter 18 J. Euro 2,50 / Kinder unter 12 Jahren: freier Eintritt


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