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Die Sieben Sakramente - Abigail O’Brien und der ritualisierte Alltag
Ausstellung im Haus der Kunst

Die Ausstellung Die Sieben Sakramente. Abigail O’Brien und der ritualisierte Alltag präsentiert den 2003 vollendeten Werkzyklus der irischen Künstlerin zu den sieben Sakramenten und setzt ihn in Analogie zur niederländischen Genremalerei des 17. Jahrhunderts.

Die Künstlerin Abigail O’Brien, geboren 1957 in Dublin, untersucht in ihren Arbeiten die Funktionen von Ritualen und Riten. Seit 1996 entwickelte sie eine Werkreihe zu den sieben Sakramenten, die sie 2003 vollendete und die nun im Haus der Kunst erstmals gezeigt wird. Der Zyklus umfasst die sechs raumgreifenden Installationen Last Supper (Das Abendmahl, 1996), eine Arbeit zum Sakrament der Ehe, Baptism (Taufe, 1996), Kitchen Pieces – Confession + Communion (Küchenstücke – Beichte + Kommunion, 1998), welche die Sakramente Beichte und Kommunion vereint, Extreme Unction – From the Ophelia Room (Letzte Ölung – Aus dem Ophelia Raum, 2000) sowie die beiden neuesten Arbeiten der Künstlerin Garden Heaven – Holy Orders (Himmli-scher Garten – Priesterweihe) und Martha’s Cloth – Confirmation (Marthas Tuch – Firmung), die beide 2003 entstanden.

Die sieben Sakramente sind ein wichtiges Motiv in der Kunstgeschichte, und jahrhundertelang haben sich Künstler mit ihrer Darstellung auseinandergesetzt.

Rogier van der Weyden etwa schuf den Sakramentsaltar (1453-56) oder Nicolas Poussin zwei berühmte Zyklen zu den Sieben Sakramenten (um 1635; 1644-48) – letzterer inspirierte Abigail O’Brien nachhaltig. O’Brien setzt nun die Tradition der Sakramentsdarstellungen in zeitgenössischer Art und Weise fort – mit Fotografien, Skulpturen, realen Objekten, Stickereien und Soundarbeiten. Die einzelnen Sakramente bilden dabei nur noch das Ausgangsmaterial für ihre Arbeiten – wie ein Stück Stoff, das der Künstlerin als verbindendes Gewebe für ihre Stickereien dient und das in den Hintergrund tritt, sobald es "bestickt" ist. Die Verbindung bleibt jedoch spürbar und schafft die Beziehung zwischen den einzelnen Arbeiten des Zyklus. Die Bezugnahme auf religiöse Rituale dient O’Brien vor allem als Vehikel für die Auseinandersetzung mit dem Alltag, seinen Sitten, Riten und Dogmen. Denn sie bestimmen nach wie vor jeden Bereich unseres Lebens.

Der Spannung zwischen religiösen und alltäglichen Ritualen trägt die Ausstellungskonzeption Rechnung, indem sie den Arbeiten Abigail O’Briens Werke der niederländischen Genremalerei gegenüberstellt. Das Genrebild, insbesondere das Interieur, rückt die Darstellung des häuslichen Alltags erstmals in den Mittelpunkt und filtert das für die Gesellschaft Charakteristische aus der alltäglichen Fülle von Handlungen heraus.

Doch handelt es sich dabei nicht nur um die schlichte Dokumentation des Alltags, sondern auch um eine Darstellung des moralisch Vorbildhaften, wie etwa der gesellschaftlich festgeschriebenen Rolle der Frau, die beim Nähen, Sticken oder Apfel-schälen, beim Kämmen eines Kindes, beim Hühnerrupfen oder Ausnehmen eines Fischs gezeigt wird.

Anders als die Genremalerei des 17. Jahrhunderts löst Abigail O’Brien die Alltagstätigkeiten, die sie ebenfalls mit der Darstellung der Frau verbindet, aus dem häuslichen Umfeld heraus. Die dargestellten Szenen, die mit Familie, im weitesten Sinne mit Fürsorge und Geborgenheit assoziiert sind, tragen einerseits zwar einen warmen, zuweilen biederen Charakter, ihre Ästhetik aber ist steril, kühl und distanziert.

Die Alltagsszenen scheinen isoliert, wie durch den kühlen Blick der Künstlerin zum Stillstand ge-bracht – ein Klischee, das "aufgedeckt" wird und erstarrt. Durch diesen Moment des konzentrier-ten Innehaltens, des frozen moments, verliert der tradierte weibliche Alltag mit seinen Tätigkeiten wie Waschen, Kochen, Briefe-Schreiben oder Handarbeit – seinen flüchtigen, banalen Charakter und wird in ein Ritual überführt.

Im Schnittpunkt der beiden Sujets – der Alltags- und der Sakramentsdarstellung – lässt die Künstlerin die Frage nach der Rolle der Frau kritisch anklingen. Es ist der Zwiespalt zwischen der vita activa, dem alltäglichen, diesseitsorientierten Leben, und der vita contemplativa, dem geisti-gen, jenseitsorientierten und von Sakramenten beglaubigten Leben, den O’Brien am Beispiel der Frau vorführt.

Vor allem in ihrer letzten Arbeit, Martha’s Cloth – Confirmation, die sich dem Sakrament der Firmung und der besonderen Kraft des Heiligen Geistes widmet, spricht O’Brien diesen in der gesamten Werkgruppe vorhandenen Zwiespalt am explizitesten an und bezieht sich konkret auf die Geschichte von Jesus Besuch bei Martha und Maria: In Bezug auf das Sakrament überraschend, konsequent allerdings für den gesamten Werkzyklus, stellt O’Brien Martha, nicht Maria, als Protagonistin vor.

Damit hebt sie die vermeintliche Hierarchisierung zwischen Vita activa und Vita contemplativa auf – weder wird Martha von ihrem "geistlosen" Image des Alltäglichen befreit, noch wird Maria, die für das Geistige steht, von ihrem Thron gestoßen. Martha’s Cloth ist der Versuch, die Diskrepanz von Vergänglichem und Beständigem zu überwinden und eine Balance zwischen dem Irdischen, Alltäglichen einerseits und dem Geistigen, Religiösen andererseits herzustellen.

Das Spiel mit Doppeldeutigkeiten, mit Ironie und Ambivalenz ist prägend für den gesamten Werkzyklus Abigail O’Briens. So stellt die Arbeit Last Supper eine Verbindung zwischen dem Sakrament der Ehe und dem Letzten Abendmahl her: Die Rahmenhandlung ist das gemeinsame Mahl, das das Brautpaar mit seinen Gästen oder Christus mit seinen Jüngern abhält. Die Requisiten der Installation (eine Tafel, ein Stuhl, ein Gedeck) deuten auf das letzte solitäre Mahl vor der Hochzeit, lassen dabei aber die Frage offen, ob es das letzte Mahl vor der Glück verheißenden Zweisamkeit oder das letzte Mahl in Freiheit ist, bevor die Gefangenschaft der Ehe beginnt? Deutet das einzelne Besteck auf die Einsamkeit in oder vor der Ehe hin?

Die Künstlerin erlaubt hier keine eindeutige Aussage oder Bewertung, sie verharrt in der Zweideutigkeit. Gerade die Offenheit bzw. Parallelität der Gefühle, die unterschiedlichen Seiten des Abschieds beim Über-gang von einer Lebensphase zur nächsten, diese Ambivalenz kommt hier zum Ausdruck. Die Sakramente stehen denn auch für die wichtigen Passagen im Leben eines Menschen und für entscheidende Durchgangssituationen, es sind sogenannte Rites de passage, die als solche im Werkzyklus O’Briens eine tragende Rolle übernehmen.

Die Arbeiten Abigail O’Briens werden seit 1993 in zahlreichen internationalen Einzel- und Grup-penausstellungen gezeigt (u. a. in Dublin, Venedig, Warschau, New York, Berlin und Düsseldorf). 2002 präsentierte O’Brien die Arbeit Extreme Unction – From the Ophelia Room (Letzte Ölung – Aus dem Ophelia-Raum, 2000) in der Ausstellung Stories. Erzählstrukturen in der zeitgenössi-schen Kunst im Haus der Kunst, München. Von irischen Kunstinstitutionen mehrfach prämiert, sind ihre Werke heute in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten (u. a. im Volpinum, Wien, im Irish Museum of Modern Art, Dublin, oder in der Caldic Collection, Rotterdam).

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog in deutscher und englischer Sprache im Steidl Verlag, Göttingen.

10.02.2004
20.00 Uhr Abigail O'Brien spricht über ihren Werkzyklus "Die Sieben Sakramente". Abigail O''Brien und der ritualisierte Alltag.
Im Anschluss findet ein Gespräch zwischen der Künstlerin, Pater Georg Maria Roers SJ, Leiter der Künstlerseelsorge, und Stephanie Rosenthal, Kuratorin der Ausstellung, statt. Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, inkl. Besuch der Ausstellung

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Text und Fotos: Haus der Kunst.

Haus der Kunst
Prinzregentenstraße 1
80538 München

MVG/MVV U-Bahn Lehel oder Odeonsplatz
Eintritt:
Euro 7,00 / erm. Euro 5,00 / Jugendliche unter 18 J. Euro 2,50 // Dauerkarte:
Euro 15,00 / erm. Euro 12,00 // Kinder unter 12 Jahren: freier Eintritt



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